Lehrer*in: Ein Beruf mit vielen Facetten

Tagebuch einer Studentin

Noch sieht die Lehrer*innenausbildung in NRW drei Praxisphasen bis zum dritten Studienjahr vor. Praxiserfahrungen zu sammeln, erscheint erst einmal sehr aufregend, doch was genau kommt auf uns Lehramtsstudierende hier eigentlich zu? Dass ich Lehrerin werden möchte, stand für mich seit jeher fest. Doch ein paar Fragen hatte ich schon noch: Welche Schulform ist wohl am interessantesten? Welche ist am besten für mich geeignet? Und tauge ich überhaupt zur Lehrerin?
Lehrer*in: Ein Beruf mit vielen Facetten

Foto: Africa Studio/fotolia.de

Phase 1: Bin ich fürs Lehren geeignet?

In der Tat erfüllte mein Eignungspraktikum vor Antritt des Studiums seinen Zweck: An einer Grundschule erhielt ich die Chance, Erfahrungen in allen vier Jahrgangsstufen zu sammeln und so verbrachte ich jede Woche in einer anderen Klasse. Zunächst war ich als Helferin die rechte Hand der erfahrenen Lehrkräfte. In der letzten Woche allerdings durfte ich Englischstunden selbst vorbereiten und eigenständig unterrichten. Zum ersten Mal in meinem Leben trat ich als Lehrerin vor eine Klasse. 30 Augenpaare blickten erwartungsvoll zu mir auf. Nervös war ich schon ein wenig. Doch das legte sich schnell, denn mit „Old MacDonald had a farm“ hatte ich die Kinder schnell auf meiner Seite. Begeistert stimmten sie mit in das Lied ein. Den Unterricht konnte ich mit einem guten Gefühl abschließen und das positive Feedback meiner Betreuungslehrerin tat sein Übriges. Ich war um einige Erfahrungen reicher: Schüler*innen müssen mit abwechslungsreichen Methoden motiviert werden und auch Ruhestörungen lassen sich mit ein paar Tricks gut bewältigen. Das Eignungspraktikum machte mir bewusst, dass ich nicht nur mit Grundschulkindern, sondern auch mit älteren Schüler*innen zusammenarbeiten möchte, da das für mich die größere Herausforderung darstellt.

Phase 2: Wer bin ich und wo will ich hin?

Das Highlight meines bisherigen Studiums war die zweite Praxisphase, das Orientierungs-praktikum: Ich bekam einen Platz im Projekt „indive – individualisieren, differenzieren und vernetzen“, das Studierenden besondere Einblicke in das Konzept der individuellen Förderung ermöglicht. An einem Gymnasium durfte ich mit einer kleinen Gruppe von Schüler*innen ein eigenes Projekt auf die Beine stellen. Als leidenschaftliche Hobbyköchin rief ich eine AG ins Leben, die den Kindern gesunde Ernährung schmackhaft machen und sie gleichzeitig individuell fördern sollte. Doch wie lassen sich diese Aspekte miteinander verbinden? In der Gruppe waren ganz unterschiedliche Persönlichkeiten vertreten. Um möglichst viel über Kulturen, Interessen und Talente der Kinder zu erfahren, brachten sie reihum ein Rezept aus ihrer Heimat oder aus ihren Familien mit. Gemeinsam kochten wir nach den Rezepten und aßen danach natürlich auch zusammen. Unsere Gerichte sammelten wir in einem Kochbuch, das wir bei der Praxistagung allen indive-Praktikant*innen vorstellten. Kostproben hatten meine Schüler*innen auch dabei. Mit der Tagung war mein Orientierungspraktikum dann abgeschlossen. Die 80 Praktikumsstunden vergingen wie im Flug und mein Wunsch, Lehrerin zu werden, war endgültig bestätigt. Die Tage mit den Kindern führten mir vor Augen, dass dieser Beruf das eigene Leben sehr bereichert. Man erhält die Chance, mit ganz unterschiedlichen Charakteren zu arbeiten, mit ihnen Projekte zu gestalten, die vom Lernalltag ablenken und den Kindern Spaß machen.

Phase 3: Was gibt’s noch zu entdecken?

Das (außer-)schulische Berufsfeldpraktikum im Förderunterricht für Schüler*innen mit Migrationshintergrund zu absolvieren, war noch einmal eine ganz neue Erfahrung für mich. Dort habe ich Nachhilfe gegeben und Sprachkurse für Kinder besucht, die nur sehr wenig Deutsch sprechen. Jedes Mal lässt es mich aufs Neue erkennen, dass unterschiedliche Schüler*innen unterschiedliche Lernvoraussetzungen mit sich bringen und das bedarf besonderer Berücksichtigung. Der Lehrberuf hat viel mehr Facetten als ich es mir in meiner eigenen Schulzeit immer vorgestellt habe. So gut man den Unterrichtsstoff auch vorbereitet, es ist jedes Mal eine Herausforderung, vor 30 ganz individuelle Schüler*innen zu treten, sie zu motivieren und für das Lernen zu begeistern. Ich blicke zurück auf drei abwechslungsreiche Praxisphasen, die ich als Teil meines Studiums zu schätzen gelernt habe. Die Praktika haben mir die Vielseitigkeit des Lehrberufs gezeigt und mich in meiner Entscheidung für den Beruf bestärkt.

Stefanie Janura // In: nds 8-2015